Freitag, 8. Februar 2013

Kölle Alaaf - Tag 1
So mancher Tag ist Stück für Stück betrachtet einfach scheiße, doch wenn man sich dann das große Ganze einmal ansieht, kommt doch etwas ganz ansehliches dabei heraus. Nachdem ich gestern mit Freunden meinen Abschied gefeiert habe, bin ich heute Morgen dementsprechend aufgewacht. Leicht verkatert und mindestens ebenso verplant habe ich mich direkt darauf gestürzt die übrig gebliebenen To-Do-Listen abzuarbeiten. Und schon klingelt Mirko an der Tür um mich zu meinem Startpunkt zu bringen. In der Eile noch kurz ein paar Sandwiches (deren Überreste ich jetzt gerade esse) gemacht und auf. Alles ins Auto gepackt, alle Listen überprüft und los! Fünf Minuten später fällt mir auf, dass ich (zum Glück) ein für das Tramping unerlässliches Utensil vergessen hatte, nämlich die Winterjacke. Zum Glück da ich mir auf dem Rückweg hübscher Schwall von nicht verarbeitetem Mageninhalt entfleucht. Kurz gesagt: nach Hause gehetzt, Auto geputzt, Jacke geholt und wieder losgefahren. Vielleicht werde ich ja eines Tages meinen Enkeln erzählen: "Ach Kinder ich erinnere mich noch ganz genau an den Tag, als alles begann, damals an der Autobahnraststätte Steigerwald Nord". Sicher ist auf jeden Fall, dass ich den Ort nie vergessen werde. Ich stand in der Kälte, nachdem Mirko weitergefahren war und wartete. Gleichzeitig einer der trostlosesten als auch der spannensten Momente meines Lebens. Die Autofahrer würde ich in zwei Kategorien aufteilen. Da waren erstmal jene die einfach weitergefahren sind, Blickkontakt vermieden haben und mich höchstwahrscheinlich einfach überfahren hätten, wäre ich auf der Straße gestanden. Und dann gab es noch andere, die sich mit einem Blick oder einer Geste bei mir entschuldigten, weil sich gleich abbiegen würden, oder das Auto einfach voll war. Ich wusste, wenn ich nur lange genug warte, käme einer der zweiten Kategorie, dessen Auto nicht voll war. Nach insgesamt etwa zwei Stunden hielt dann Marco neben mir, um mich in einem Schwung gleich mit nach Köln zu nehmen. Marco ist 26, Offizier der Bundeswehr und echt ein netter Typ, wenngleich er von Zeit zu Zeit ein wenig Radikale Ansichten vertritt, wie etwa man solle das "Linke Pack" einfach verbieten und Schluss. Studiert hat Marco, wenn ich mich richtig erinnere, Politik und Staatswissenschaften mit Schwerpunkt auf Geschichte und das merkt man ihm auch an. In seiner Freizeit läuft er, unter anderem hat er vor den Original Marathon nach Athen in einer realistischen Nachbildung der Rüstung eines Athener Soldaten in der Schlacht um Marathon nachzulaufen, oder ist einmal in 5 Tagen 250 km gelaufen ohne sich der Zivilisation zu nähern. Kranker Typ. Wir haben lange über Politik und Gesellschaft diskutiert, so verging die Fahrzeit doch recht schnell und wir wurden in Köln mit einem trügerischen Sonnenschein begrüßt. Marco setzte mich dort ab wo er Karneval mit einem Freund verbringen würde und ich lief die übrigen 10 km zur Jugendherberge - mit maximalem Marschgepäck ;).
Marcos letzter Ratschlag: In England fährt man links!
Aber man begegnet sich immer zweimal im Leben.
Der trügerische Sonnenschein zeigte jetzt sein wahres Gesicht. Babyfaust dicke Scheeflocken kamen mir entgegen und erschwerten den Laufweg zusätzlich. Schon nach ein paar Straßenecken traf ich dann Marco - das zweite mal im Leben :). Das Wiedersehen dauerte lediglich eine Rotphase und dann wars auch schon wieder vorbei. Nachdem ich mich durch unmengen an Schnee, verkleideten Passanten und merkwürdige Ampelschaltungen gequält hatte sackte ich benahe zusammen als ich endlich vor der Jugendherberge stand. Ein Bett im Vierbettzimmer war noch frei (glücklicherweise, immerhin ist Karneval) und ich konnte ENDLICH den Rucksack abnehmen. Nach einer halben Stunde kam Roudrigo dazu. Merkwürdiger Kerl.
Er ist etwa in meinem Alter, sagt er kommt aus Stuttgart, spricht kaum Deutsch und liegt auf dem Bett und starrt mich im Moment einfach nur an. Was solls, ich bin jetzt wirklich müde, morgen gehts ab nach Paris und ich geh jetzt schlafen.
Gute Nacht Roudrigo ;)

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